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Aktuell:

Sommer 2022
Feldforschung, Hessen/Brandenburg/NRW
gefördert von der Stiftung Kunstfonds

21.5. - 15.10.
entre 2
Installation am Rheinufer, Strasbourg

13. - 18.9.
I got you covered
Kaiserdamm 102, Berlin

25.11.22 - 19.03.23
entre 2
Städtische Galerie, Offenburg

running Raum www
an online collection
of events cancelled due to Covid-19


studio adress:
Johannes Mundinger
c/o Urban Spree
Revaler Str 99
10245 Berlin
Germany

oo49 (o) 179 748 o2 81
post@jmundinger.de

Ausstellungsansicht, Nothing´s gonna change my world, Raum www bei gr_und, Berlin
Nothing´s gonna change my world? A book about how visual artists experience the pandemic

Daniel Hahn and I have asked 230 artists four questions each, to create a picture of how visual artists have come through the pandemic – so far – and what their predictions are for the future, in relation to art.

The answers formed an interactive exhibition, at gr_und, Berlin and were printed in a book, with a foreword by Laura Helena Wurth and a greeting by Berlin's Senator for Culture Klaus Lederer.

About two thirds of the artists interviewed live in Berlin. About 130 are female*, about 100 male*. The answers are German or English, depending on the artist.
All artists can be found at www.raumwww.de, a playful online archive that has been collecting exhibitions and cultural projects that had to be cancelled, postponed or closed due to the pandemic since the beginning of the first lockdown in 2020.


So the focus is less on artistic works and more on answering the four questions:

1 How much were you affected by the lockdowns and how did you deal with the situation?

2 How has your work situation and working method changed as a result?

3 How do you assess the changes for art and the art world?

4 What impact do you think the pandemic has had on the importance of art for society?

Ausstellungsansicht, Nothing´s gonna change my world, Raum www bei gr_und, Berlin

Laura Helena Wurth schreibt "(...)Insofern ist dieses Buch ein Zeitdokument, das einen Moment festhält, von dem man noch gar nicht so genau weiß, ob er einmal als Punkt des Umbruchs markieren wird. Was auf jeden Fall festgehalten wird, ist die Tatsache, dass Künstler*Innen sich Gedanken gemacht haben, dass es vielen ähnlich ging und dass man auch in Zeiten, die einen in ihrem Fluss fast zu ertränken scheinen, einzelne Dinge und Erfahrungen herausgreifen kann. Denn nur durch das Teilen der Erfahrungen werden sie vergleichbar und können eingeordnet werden in einen größeren Kontext.

Doch es ist auch interessant, die inhärente Resilienz des Künstlers zu sehen. Dadurch, dass die meisten eh allein und abgeschottet arbeiten, hat sich für viele von ihnen in der Arbeitsweise kaum etwas verändert.

Und das ist bei allem auch eine beruhigende Nachricht. Denn man weiß nicht, wie es weitergehen wird. Wie die Förderung von Kunst und Kultur weitergeht. Doch man kann wissen, dass Künstler*Innen immer Mittel und Wege finden werden.(...)"



Ausstellungsansicht, Nothing´s gonna change my world, Raum www bei gr_und, Berlin

In der taz erläutert Beate Scheder den Hintergrund und schreibt zu Buch und Ausstellung:

"Im Februar 2020, noch bevor irgendwer in Europa Covid-19 ernst nahm, reisten die beiden Berliner Maler Johannes Mundinger und Daniel Hahn nach Südkorea, um dort ihre Kunst auszustellen. So war zumindest der Plan, es kam aus bekannten Gründen anders. Schon die erste Ausstellung konnten nur wenige besuchen, bei der zweiten wirkte bereits bei der Eröffnung ein Lockdown. In Korea hätten sie schon eine Vorschau darauf bekommen, was sich in der darauffolgenden Zeit in Berlin abgespielt habe. So erzählt es Mundinger anderthalb Jahre später im Weddinger Projektraum gr_und. Dort haben Hahn und er Mitte August eine Ausstellung eröffnet. Sie begleitet die Veröffentlichung eines Buches, das die beiden herausgebracht haben. „Nothing’s gonna change my world?“ – wie im Beatles-Song, nur mit Fragezeichen – lautet der Titel von beidem, denn darum geht es: Was sich ändert und geändert hat durch Corona bei den Künstlerinnen und Künstlern und in der Kunstwelt. Vier Fragen haben Mundinger und Hahn dazu formuliert und diese im Frühling diesen Jahres über 250 Kolleg*innen gestellt. Rund 230 antworteten, nachzulesen sind deren Einschätzungen im Buch. Ausgewählte Zitate hängen in der Ausstellung an der Wand und sind aus schmalen Lautsprecherboxen zu hören.

Doch zurück in den März 2020: Da hatten Mundinger und Hahn nach ihren Erfahrungen in Korea schon früh die Idee, ein Onlinearchiv zu gründen, eine Website, auf der Künstlerinnen und Künstler all die Ausstellungen und Projekte einstellen konnten, die geschlossen wurden, verschoben oder gleich ganz abgesagt. Raum www nannten sie diese. Wie auf einer digitalen Landkarte kann man darauf rein- und rauszoomen. Bilder zu den abgesagten Veranstaltungen erscheinen dann, mit Informationen zum anklicken. Größere und kleinere Projekte sind dabei, von etablierteren und weniger bekannten Künstler* innen. Ungeordnet stehen sie neben- und übereinander. Raum www wollte von Anfang an sein, was die Kunstwelt nie war, hierarchiefrei nämlich. Als wieder mehr möglich war und zwischenzeitlich weniger abgesagt oder verschoben wurde, organisierten Mundinger und Hahn außerdem kleine Ausstellungen zunächst in einem Park, im ersten Coronaherbst sogar in einer Galerie, dann im Schaufenster eines Projektraums und schließlich eine Wanderausstellung für private Haushalte.

Das Onlinearchiv aber blieb bestehen. Eben die gut 250 Künstler*innen, die dieses seit dem März 2020 bestückten, waren es dann auch, die Mundinger und Hahn für das Buch befragten und die teils recht ausführlich erzählen, wie es ihnen ergangen ist. Eindrücklich schildert etwa die Bildhauerin Lotta Bartoschewski die Zwangslage, in die sie kam, als sie mit einem Mal tagsüber mit der Betreuung ihres Kindes beschäftigt war, ihren Brotjob in Nachtschichten erledigen musste und keine Zeit mehr für die Kunst fand. Sehr an ihre Grenzen gestoßen sei sie, weil sie einen wahnsinnigen finanziellen Druck gespürt habe. Erleichterung verschaffte ihr schließlich eine Förderung des Kunstfonds.

Es ist ein typischer Fall, doch es gibt auch andere. Künstler*innen ohne Kinder, von denen manche, wie sie erklären, endlich mehr Ruhe für ihre Praxis fanden. Andere wiederum empfanden die ereignisarme Zeit als wenig förderlich: Ohne Resonanz passiert bei mir nichts. Die Arbeit im Atelier ist nur ein Teil des künstlerischen Prozesses. Mein System hakt, so bringt es Björn Streeck auf den Punkt.

Ähnlich divers fallen auch die Antworten auf die Frage nach den Auswirkungen auf die Rolle der Kunst in der Gesellschaft aus. Aus einigen spricht pure Enttäuschung. Eine hoffnungsvollere Sicht vertritt die Malerin Friederike Feldmann. Sie hoffe, dass die Kunst in Zukunft widerständiger und ihre Freiräume und Besonderheiten wieder selbstbewusster behaupten werde: Ich hoffe, dass die Kunst weniger auf Sinn und Zweck ausgerichtet sein wird, also mit anderen Worten: dass auch mal wieder richtig Unsinn gemacht wird. Insgesamt weniger negativ als gedacht, aber reichlich uneinheitlich fällt das Stimmungsbild aus.
Auch in der Kunst hat die Pandemie ganz offensichtlich nicht alle gleich getroffen, es gibt die, die womöglich sogar ganz gut verkauft haben – und andere, bei denen auf einmal alles wegbrach. Oder wieder andere wie Katya Quel Elizarva: Luckily or not, I can say I was hardly affected, because I was always broke.

Die Antworten auf Mundingers und Hahns Fragen haben nicht nur mit der Pandemie zu tun. Dass es eingefahrene, recht ungesunde Strukturen sind, die den Kunstbetrieb dominieren, ist keine Neuigkeit. Während des ersten Lockdowns hatte die Debatte darüber, was sich ändern müsse, an Fahrt gewonnen. Im Jahr Zwei nach Ausbruch von Corona erscheint die Stimmung eher ernüchtert. War da was? Am Ende behält vielleicht ja doch Clemens Behr Recht. Seine Antwort auf die Fragen: Ich denke, es wird alles wieder wie vorher."


Katalog Nothing´s Gonna Change My World?
270 Seiten, Graukartonumschlag, gedruckt bei Druckhaus Sportflieger in Berlin.
Gestaltung: Daniel Hahn.

Supported by Neustart Kultur, the Federal Government Commissioner for Culture and the Media, BBK Bundesverband.