Johannes Mundinger

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Atelier: Urban Spree
Revaler Str 99
10245 Berlin
 

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Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg
Impressions from my solo exhibition at Kunstverein Offenburg


I´m feeling honored having all eight (and a half) rooms at the spacious Kunstverein Offenburg for my exhibition ‚Flurstück‘, running from December 1st 2017 until January 28th 2018.

A catalogue will be released at the finissage of the show, the introduction was held by Martin Sander and: Pio Rahner:


Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg

Die Eröffnungsworte einer Ausstellung. Wer macht das am Besten? Ich erinnere mich, dass bei der letzten Ausstellungseröffnung, die ich hier in den Räumlichkeiten des Kunstvereins besucht habe, Stefan Strumbel eine Serie von Kukucksuhren präsentiert hat. Das war vor 11 Jahren.

Damals hat ein Anwalt aus Frankfurt die einführenden Worte gesprochen. Das war eine spannende Dopplung, weil Anwält_innen professionelle Führsprecher_innen sind und eine Eröffnungsrede immer auch Führsprache für die ausgestellten Arbeiten ist. 
Gerne übernehmen Kunstwissenschaftler_innen die Aufgabe, eine Eröffnungsrede zu formulieren und haben ein leichtes Spiel, da ihnen die Deutungshohheit per se zugesprochen wird.

Ich bin kein Wissenschaftler und auch kein Anwalt.
Aber ich kenne Johannes Mundinger seit vielen Jahren. Wir haben zeitgleich studiert und auch schon zusammen gearbeitet. Im Idealfall kann ich ganz ungefiltert einen unmittelbaren Eindruck über sein Arbeiten vermitteln. 



Ausstellung Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg
R99-1, Acryl auf Leinwand, 190 x 200cm, 2017


Bei der Ausstellung Abmaß, die dieses Jahr in der Erlköniggalerie in Bremen zu sehen war, wurde im Begrüßungstext beschrieben, dass Johannes Mundinger sein Atelier in Berlin hat und er deshalb auch als in Berlin arbeitender Künstler gesehen wird.
Tatsächlich aber hat er alleine in jüngerer Zeit Belgien, Bulgarien, Israel, Frankreich, Serbien, Mexiko, Polen und Russland bereist, um großflächige Wandarbeiten im Außenraum zu realisieren. Gleich nach der Ausstellungseröffnung hier, wird er nach Frankreich aufbrechen, um mit befreundeten Künstlern in Perpignan eine Außenwand zu bespielen.

So gesehen arbeitet Johannes Mundinger eher wenig in Berlin. Das Reisen fußt bei ihm ganz bestimmt auf einem großen Interesse dem Unbekannten gegenüber und ist bereits seit der Antike eine kulturelle Praxis. Für unseren Kulturkreis sind die Italienreisen, die im 18. Jahrhundert besonders populär waren, ein treffendes Beispiel.
Beschreibungen und Abbildungen des unbekannten Landes waren dann Thema. So konnte man über Gedichte oder Malerei von zu Hause aus einen Eindruck unbekannter Gegenden bekommen…

In der Malerei von Johannes geht es aber nicht um Abbildungen oder Beschreibungen.
Und wenn man die Orte, die er bis jetzt bereist hat, mit einer Onlinekarte nachzuvollziehen versucht, wird sichtbar, dass es keine Hotspots sind, die Johannes bearbeitet. Die Orte, an denen Johannes die Wandmalereien realisiert, sind offensichtlich nicht im Zentrum einer Stadt oder einem Gebiet.

Das ist ein Verweis darauf, dass Johannes in den unbekannten Ländern zudem unbekannte oder zumindest wenig bekannte Orte auswählt, um sich mit ihnen zu beschäftigten oder auseinanderzusetzen. Er rückt unscheinbare Orte in den Fokus derer, die dort direkt wohnen und dann, in der Bilddokumentation, werden wir als Betrachter_innen ebenfalls aufmerksam. Die spezifische Historie oder die unmittelbare Umgebung der Plätze werden zum Thema seiner Arbeiten, und doch bildet er diese nicht ab. Vielmehr nimmt er die Geschichte oder das recherchierte Wissen als Ausgangspunkt seiner Malerei. Und so ist vielleicht die Untersuchung selbst viel mehr Thema, als die Verortung in einem kartografischen Zusammenhang. Die Untersuchung im Allgemeinen ist ihm wichtiger als der Versuch einer Beschreibung. Lediglich durch die Titel der Bilder, bekommt man manchmal einen konkreten verortenden Hinweis.



Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein OffenburgIhlenfeld, 4. Mai, Acryl auf Leinwand, 195 x 695cm



Martin Sander hat in seinem Text über die Ausstellung hier angemerkt, dass es nicht eine Schule oder ein bestimmtes Vorbild gibt, an dem Johannes Mundinger sich zu orientieren scheint. Und automatisch vollzieht sich ein Vorgang der sich gegen eine hierarchische Struktur verschließt. Es wird nicht das gemacht, was ohnehin schon passiert ist und es wird nicht auf Nummer sicher gegangen. Johannes Mundinger entwickelt einen eigenen Ausdruck, eine eigene Sprache. Und das nicht Annehmen von hierarchischen Strukturen spiegelt sich auch in den großen Waldarbeiten im Außenraum wieder. Es sind keine Malereien, die exklusiv für einen kleinen erlesenen Kreis von Rezipienten_innen produziert sind. Denn die Wandarbeiten sind groß sichtbar und im Außenraum, und somit jedem zugänglich der gucken will. Und auch wenn es vielleicht unwichtig erscheint, die Arbeiten, die Johannes mit anderen Künstler_innen entwickelt, die werden auch als solche deklariert. Das bedeutet, dass am Ende alle beteiligten Künstler_innen gegenzeichnen. Und somit können die Arbeiten allen Autor_innen zugeschrieben werden. Auch das ist ein klares Bekenntnis gegen eine Meister/Schüler Haltung, die aus der Geschichte heraus immer die Größe der Meister stützte und die Schüler_innen meist in Vergessenheit geraten ließ.

Wie aber kommt man darauf, außerhalb des Ateliers auf Fassaden zu arbeiten? 
Am wichtigsten ist, dass man eine Malerei auf Leinwand oder Papier immer wieder umhängen oder neu positionieren kann. Je nach Umgebung ist die Wirkung des Bildes eine andere. Im Außenraum an der Fassade ist das Bild fertig und kann nicht versetzt werden.

Vor 30 Jahren entstanden im Zuge einer Bambiverleihung mehrere Graffiti an den Mauern der alten Offenburger Spinnerei, gegenüber vom Schlachthof. 
Auch auf der Rückseite des Modegeschäftes Boschert, war lange Zeit eine große Wandmalerei von Gerd Kossakowski zu sehen. 
An der Sporthalle des Schillergymnasiums sieht man noch heute eine Körperstudie, die mit Mitteln der Malerei auf der kompletten Seitenlänge der Halle umgesetzt wurde. Sicher waren das die ersten Eindrücke die für Johannes Mundinger dazu geführt haben, Malerei nicht ausschließlich auf Leinwand oder Papier zu denken. 
Zudem ist die Technik bei Arbeiten auf riesen Flächen eine andere. Zwar arbeitet Johannes im Atelier und auch Außen mit Acrylfarbe, jedoch gibt es technische Unterschiede: Das bedeutet, wenn man einen Pinselstrich auf einer Leinwand aus dem Handgelenk heraus vollzieht, dass man bei einer Fassade, gegebenenfalls 20 Meter, mit ausgestrecktem Arm und Pinsel, an dem Bildträger entlanggehen muss. 
Oder, um es sich besser vorzustellen:
Wenn ich in der Küche einen Apfel aus der Hand heraus in zwei teile schneide, dann wird da eine andere Energie freigesetzt, als wenn ich ein Stück Feuerholz mit dem Beil in zerteile.
Bogensegmente haben eine andere Wirkung, wenn sie aus dem ganzen Körper entstehen, mit Handgelenk, Arm und Schulter, als wenn sie auf einer kleinen Leinwand lediglich aus dem Handgelenk heraus beschrieben werden. 
Fassaden werden oft durch Fenster, Türen, Simse oder Erker unterbrochen. Sie werden dadurch zu flachen Räumen. 
Auch hier in der Ausstellung gibt es Arbeiten bei denen Johannes Mundinger die Grenzen des zweidimensionalen auslotet. Die Bilder mit Schatten, die man im hinteren Teil der Ausstellung sehen kann und die durch Teile auf dem Boden erweitert sind, bekommen genauso einen Objektcharakter, wie die drei Leinwände die ungerahmt in der Luft hängen und gleichzeitig leicht angestaucht auf dem Boden enden. 
Oder die Papierarbeiten, einen Raum weiter, die durch ihre Materialeigenschaften nicht ganz plan auf der Wand angebracht sein können. dadurch ragen sie an unterschiedlichen Stellen in den Raum.
Fragestellungen, die eventuell bei der Umsetzung von Arbeiten im Außenraum aufkamen, hat Johannes Mundinger auf kleinere Formate im Atelier weiterentwickelt und Lösungen gefunden, die innen, im Ausstellungsraum, ausgezeichnet funktionieren. Bei den Arbeiten „Ihlenfeld“ und „Gruppenreise“ ist es so, dass die Leinwände nicht auf einen Rahmen aufgespannt waren als sie produziert wurden. Dadurch gab es im Prozess keine Begrenzungen oder Stufen, die den Prozess unterbrechen konnten. Sonst ändert sich der Schwung ja immer wenn es auf den Bildrand zugeht. 
Und so konnte er bis zum Schluss, quasi ohne Einschränkung, arbeiten. 
Erst dann wurden die Leinwände auf die Rahmen gespannt.

Und so sieht man bei den Arbeiten hier in den Räumlichkeiten Bilder, die sicher geprägt sind, von den Außenarbeiten und im Katalog [„Painted Walls“, erschienen zur Ausstellungseröffnung] sieht man Abbildungen von Fassadenarbeiten mit einer Bildsprache, die ihre Prägung in den Atelierarbeiten von Johannes haben. Ich freue mich besonders, weil in der Konzeption der Ausstellung nicht eine Position die andere illustriert. Sondern mit dem Katalog und den Bildern hier, beide großen Arbeitsstränge von Johannes Mundinger gleichwertig präsentiert sind.



Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg


Ausstellung Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg

Vockerode, 7 Uhr, Acryl auf Leinwand, 200 x 145cm, 2017



Ausstellung Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg

R99-2, Acryl auf Leinwand, 200 x 145cm, 2017



Ausstellung Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg
Vockerode, Acryl auf Leinwand, 200 x 145cm, 2017

Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg


Ausstellung Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg
R99-3, Acryl auf Leinwand, 200 x 145cm, 2017

Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein OffenburgAbmaß, Mischtechnik auf Molton, 350 x 300 cm, 2016 


Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg

Antene, Mischtechnik auf Molton, 350 x 300 cm, 2016 




Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg

Abmaß, Lichtpunkte auf Molton, 350 x 300 cm, 2016 



Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein OffenburgMap of Concern, Test1, Acryl auf Leinwand, 210 x 180 cm, 2017

Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein Offenburg


Ausstellungsansicht - Johannes Mundinger im Kunstverein OffenburgGruppenreise, Acryl auf Leinwand, 210 x 180 cm


Flurstück
1.12.2017 - 28.1.2018

Kunstverein Offenburg-Mittelbaden e.V.
(Kulturforum an der Weingartenstraße)
Amand-Goegg-Str. 2
77654 Offenburg

Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag 13—17 Uhr 
Samstag & Sonntag 11—17 Uhr
Montag geschlossen